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German Council Magazin

Zwei der angesagtesten deutschen Ladendesigner über Gegenwart und Zukunft in der Mall- und Shopgestaltung

Worauf kommt es heutzutage bei Ladenbau, bei der Shopfassaden- und -Innengestaltung an? Wir fragten nach bei zwei der aktuell gefragtesten deutschen Innendesignern und -architekten, Wolfgang Gruschwitz (München) und Karl Schwitzke (Düsseldorf), was für sie exzellente Umsetzung auf diesem Sektor heißt.

Worauf sollten Center-Entwickler hinsichtlich der Shopgestaltung heutzutage besonderen Wert legen?

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Wolfgang Gruschwitz: Zum einen sollten die Center-Entwickler auf eine flexible Einteilung der Flächen, auf Freiheiten im Bereich Fassadengestaltung und Individualität Wert legen. Zum anderen aber auch auf die Möglichkeit, rund um die Uhr geöffnet zu haben und inspirative Zonen zu schaffen, die mit Pop-Ups, Events oder anderen neuen und alten Serviceplattformen gefüllt werden können. Ferner aber auch auf noch mehr Atmosphäre, beispielsweise über die Integration von Natur („urban farming“). Gedanken zu Online-„click & collect“- Installationen fehlen derzeit noch komplett, da die Mietverträge immer noch nach Umsatz anstatt nach Frequenz berechnet werden und Soziale Medien und Internetzugänge sind längst noch nicht selbstverständlich. Schließlich sollte man aber auch neue Ideen entwickeln und Umsetzungsbereitschaft zeigen, um mit gezielten Events zur Frequenz- erhaltung beitragen zu können.

Individualität und Einheitlichkeit bei der Shopgestaltung in Einkaufscentern gleichwertig zu berücksichtigen, klingt nach einer Herkulesaufgabe. Wie gelingt das trotzdem?

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Wolfgang Gruschwitz: Die Vorgaben der Shopping-Centerbetreiber sind generell schon eine Unterstützung, denn auf diese Weise wird die Außenwirkung und somit die Orientierung für die Kunden erleichtert. Auf der anderen Seite suggeriert mehr Freiheit für die Mieter im Innenraum dem Shopping-Center- Kunden auch mehr Individualität und Einzigartigkeit im Einkaufserlebnis. Wenn mehr Regionalität in die Center eingebaut wird, dann können auch kleinere Konzepte zum Tragen kommen. Eine Branchen- Zusammenfassung hilft bei der Orientierung, dabei sollte man gegebenenfalls mehr Gassen und etagenübergreifende Branchenflächen (ähnlich den Zunftvierteln) bereitstellen.
Das Erlebnis „Handel“ sollte nicht auf TV-Screens und Online-Tools reduziert werden. Handwerkliche Bereiche und Servicebetriebe können die Ware mit einem Erlebnis versehen und als einzigartig im Kopf der Klientel verankern. Beispiele sind etwa Strick- und Bastelflächen (Dawanda), Waschsalons (Wash & Coffee), Bildungsangebote (Nachhilfezentren oder Sprachkurse) oder Bewegungseinrichtungen (Yogastudios). Auch in den F&B Bereichen besteht noch Potential nach oben.

Wie wird sich der Ladenbau, speziell hier in Deutschland, weiterentwickeln? Sind zukünftige Trends schon absehbar?

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Wolfgang Gruschwitz: On- und Offline Verkauf wird noch mehr zusammenschmelzen, z.B. in Form von Multimedia-gestützer Beratung im Laden und Integration der sozialen Medien. Showroom-Charakter mit Lieferung nach Hause (click & collect) wird derzeit in so ziemlich jeder Firma angedacht. In Zukunft gibt es über die Verschmelzung verschiedenster Branchen verstärkt Mehrwert für den Kunden. Daraus entsteht eine neue Flächenaufteilung und Integration, ähnlich den Anfängen der Concept Stores. So zeichnet sich das Zusammenwachsen von Food und Fashion immer mehr ab und wird auch bei uns, ähnlich wie in London, schon bald Standard sein. Vintage und geschichtsträchtige Einrichtung wird auch weiterhin im Trend liegen. Neue Gedanken in Hinblick auf die Warenpräsentation werden notwendig sein, denn VM bleibt auch in Zukunft ein wichtiger Spontankaufmotivator. Während multimediale Installationen immer selbstverständlicher werden, sind – um sich abzuheben – immer mehr sinnesreichere Ansprachen im Ladenbau gefordert. Individualisierte Werbung (z.B. „shopBeacons“ von Shopkick) wird immer mehr einen Einfluss auf die Übersichtlichkeit und Gestaltung der Kundenwege und damit auf die Ladenplanung haben. Es ist völlig klar, dass in den nächsten drei bis sechs Jahren Online-Händler massiv auf den stationären Handel drängen, um mehr Glaubwürdigkeit und Akzeptanz zu erlangen. Interessant wird in diesem Zusammenhang mit Sicherheit deren Rückkoppelung auf die bisherigen Öffnungszeiten-Modelle sein.

Hinsichtlich der Materialien geht neben matt auch der Trend hin zu schimmernd und hochpoliert. Auch weichere Materialien, wie Teppich, werden wieder verstärkt nachgefragt. Die Farben sind weiterhin nicht einheitlich und sehr stark abhängig von der jeweiligen Marke. Von monochromen bis hin zu schreienden Farben ist alles erlaubt, je nachdem welche Philosophie man vertritt und welche Zielgruppe angesprochen wird. Havaianas macht es vor. Google spielt mit seinem Logo und Formen und Farben. Adidas erlaubt dem Kunden dagegen sogar eigene Kreationen mit dem Logo.

Magazin/Titel: German Council Magazin
Erschienen: März 2015
Text: Thorsten Müller

 


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About Gruschwitz

Gruschwitz ist ein führendes internationales Design- und Marketingbüro mit 360° Leistungsspektrum. Ob für Beauty, Fashion, Food, Lifestyle, Services, Shoes oder Sports – unser Team inszeniert marken- und zielgruppengerechte Erlebniswelten mit individuellem Charakter und unverwechselbarem Profil. Zu unseren Kunden gehören unter anderem Weber Grill, SuperDry, Jaguar/Land Rover und Red Bull, sowie sämtliche Marken der Inditex-Gruppe (wie z.B. Zara und Massimo Dutti).